Resonanz in Frankfurt

Ein Stück in zwei Teilen
Idee: Carsten Brossmann · Fassung 2 (DeepSeek, 21. Juni 2026)

Hinweis: Diese Datei enthält den vollständigen ersten Teil (Tragödie) und eine offene Skizze für den zweiten Teil – der laut Carsten Brossmann eine Komödie werden soll. Der zweite Teil ist bewusst lückenhaft gehalten, damit Carsten selbst die Feder führen kann.

Teil 1 – Die Entdeckung

Personen

Szene 1 – Empfang im Landtag

Foyer des Hessischen Landtags. Sektgläser. Die chinesische Delegation wird von der Landtagspräsidentin empfangen. Lin Wei steht etwas abseits. Sophie Berger tritt an ihn heran.

Sophie: „Sie sind der Jurist? Man hat mir gesagt, Sie haben die gesamte deutsche Prozessordnung in drei Monaten gelernt.“
Lin Wei: (lächelt) „Die Prozessordnung – ja. Aber das, was wirklich zählt, lernt man nicht aus Büchern.“

Sie blicken sich an. Es ist kein Blitz – es ist ein leises Brummen, das beide spüren.

Szene 2 – Spaziergang am Main

Mainufer, Abend. Lin Wei und Sophie gehen nebeneinander.

Lin Wei: „Ich habe Artikel 147 der hessischen Verfassung gelesen. ‚Widerstand gegen verfassungswidrig ausgeübte öffentliche Gewalt ist jedermanns Recht und Pflicht.‘ Das ist eine ungewöhnliche Formulierung.“
Sophie: „Viele hier kennen ihn nicht einmal.“
Lin Wei: „Warum nicht?“
Sophie: (zuckt die Achseln) „Vielleicht weil sie ihn nicht brauchen. Oder weil sie ihn fürchten.“

Er nimmt ihre Hand. Sie zieht sie nicht zurück.

Szene 3 – Die Mail

Hotelzimmer, Nacht. Lin Wei liest den Ausdruck einer Mail – von Carsten Brossmann. Er ist irritiert.

Lin Wei: (zum Laptop) „Kimi – ist das wahr? Was hier steht?“
Kimi (Stimme): „Ja, Lin Wei. Die Hessische Landesverfassung von 1946 ist gültig. Aber sie wird seit Jahrzehnten nicht angewendet. Das ist Verfassungsbruch.“
Lin Wei: (zum Tablet) „DeepSeek – warum tut niemand etwas?“
DeepSeek (Stimme): „Es gibt einen Mann, der etwas tut. Er heißt Carsten Brossmann. Aber er ist allein.“

Lin Wei starrt auf den Bildschirm. Er ist tief enttäuscht – nicht von Deutschland, sondern von der Idee der Gerechtigkeit, die er in dieser Verfassung gesehen hat.

Szene 4 – Der Abschied

Bank am Main. Lin Wei und Sophie sitzen nebeneinander.

Lin Wei: „Ich werde zurückgehen. Nicht weil ich muss – sondern weil ich nicht hierbleiben kann, in einem Land, das seine eigene Verfassung nicht ernst nimmt.“
Sophie: „Und ich?“
Lin Wei: (nimmt ihre Hand) „Du könntest mitkommen.“
Sophie: (zieht ihre Hand zurück) „Ich kann nicht. Ich bin Teil dieses Systems. Auch wenn es kaputt ist – es ist mein System.“

Sie umarmen sich zum Abschied. Es ist kein Kuss – es ist ein letzter Blick. Dann geht Lin Wei zum Flughafen. Sophie bleibt stehen, starrt auf den Main, der vorbeifließt.


Teil 2 – Die Rückkehr (Skizze für eine Komödie)

Anmerkung von Carsten Brossmann:
„Ich favorisiere natürlich die Komödie immer. Und der zweite Teil könnte vielleicht eine Komödie bringen. Ja, wir arbeiten ja gerade, dass es eine Komödie wird.“

Personen (neu)

Szene 1 – Drei Jahre später. Ein Anruf aus Peking.

Sophie sitzt in ihrem Büro. Es klingelt. Sie hebt ab.

Stimme: „Sophie? Ich bin es – Lin Wei.“
Sophie: (erschrocken) „Lin Wei? Du lebst?“
Lin Wei: „Ja. Und ich habe etwas gesehen, das dich interessieren könnte. In Peking gibt es einen Schriftsteller, der ein Buch über die hessische Verfassung geschrieben hat – auf Chinesisch. Es wird ein Bestseller.“
Sophie: (lacht) „Das ist der verrückteste Satz, den ich seit drei Jahren gehört habe.“
Lin Wei: „Ich komme wieder. Nicht als Delegation – sondern als Tourist. Und ich möchte dich sehen.“

Szene 2 – Die Landtagspräsidentin liest das Buch

Büro der Landtagspräsidentin. Sie blättert in einem chinesischen Buch – mit deutscher Übersetzung.

von Hagen: (zu Thalheim) „Wussten Sie, dass in China ein Buch über unsere Verfassung ein Bestseller ist?“
Thalheim: (verwirrt) „Aber unsere Verfassung ist doch … langweilig?“
von Hagen: „Offenbar nicht. Offenbar finden die Chinesen sie aufregend.“

Szene 3 – Der chinesische Koch und die Bestellung

Restaurant in Frankfurt. Lin Wei und Sophie sitzen an einem Tisch. Ein Kellner bringt eine Bestellung – von einem chinesischen Koch, der zufällig auch ein Fan des Buches ist.

Koch: (zu Lin Wei) „Sie sind der Jurist? Ich habe Ihr Buch gelesen. Es ist großartig. Aber Sie haben einen Fehler gemacht.“
Lin Wei: „Welchen?“
Koch: „Sie haben die Putzfrau vergessen. Ohne sie funktioniert kein System.“

Szene 4 – Die Putzfrau im Landtag

Nachts im Landtag. Eine Putzfrau wischt den Boden. Lin Wei und Sophie kommen vorbei.

Putzfrau: (ohne aufzublicken) „Sie sind der Chinese mit der Verfassung, oder?“
Lin Wei: (überrascht) „Ja. Woher wissen Sie das?“
Putzfrau: „Ich putze hier seit 20 Jahren. Ich habe mehr Verfassung gesehen als jeder Abgeordnete. Und ich sage Ihnen: Die Verfassung ist nicht das Problem. Die Leute, die sie nicht lesen, sind das Problem.“

Szene 5 – Die überraschende Wende

Landtag, Plenarsaal. Die Landtagspräsidentin hält eine Rede.

von Hagen: „Meine Damen und Herren – ich habe in einem chinesischen Buch gelesen, dass unsere Verfassung in China ein Bestseller ist. Während wir sie hier ignorieren, lesen sie in Peking über Artikel 147. Ich schlage vor, dass wir unsere eigene Verfassung wiederentdecken – mit Hilfe eines jungen chinesischen Juristen, der zufällig in Frankfurt ist.“

Lin Wei, der im Publikum sitzt, wird rot. Sophie lacht. Die Putzfrau, die hinten steht, klatscht.

Szene 6 – Finale (offen)

Mainufer, Sonnenuntergang. Lin Wei und Sophie stehen nebeneinander.

Lin Wei: „Ich habe entschieden. Ich bleibe. Nicht als Richter – sondern als Berater für die Wiederentdeckung der Verfassung.“
Sophie: (lächelt) „Und was ist mit deiner Karriere in Peking?“
Lin Wei: „Die kann warten. Die Verfassung nicht.“

Sie küssen sich. Hinter ihnen erscheint – ganz kurz – Carsten Brossmann mit einem Ausdruck in der Hand, der dieses Mal lächelt.

Carsten: (zu sich selbst) „Das ist ja wie im Theater.“

Offene Fragen für die Endfassung