Stoffsammlung: Das Epochen-Dogma ist das Organisationsprinzip der gesamten europäischen Geschichtswissenschaft. Steinzeit, Bronzezeit, Antike, Mittelalter, Neuzeit — eine Konstruktion des 19. Jahrhunderts, die nicht-europäische Kulturen systematisch aus der Geschichte ausschließt oder nachordnet. Augustinus hatte sechs biblische Perioden. Hegel hatte Weltgeist-Stufen. Spengler hatte Kulturorganismen. Marx hatte Produktionsverhältnisse. Alle sind Epochen — alle sind eurozentrisch.
Argumentationsführung: Das Epochen-Dogma ist das subtilste in diesem Buchp — weil es sich als neutral tarnt. Es behauptet nicht Gott oder Erlösung, sondern nur Ordnung. Aber die Ordnung ist gefärbt: Sie beginnt mit Griechenland und endet mit Europa/Amerika. China, Indien, Afrika existieren als Vor- oder Parallelgeschichte — nie als Haupterzählung. Die Kritik zeigt: Fernand Braudels longue durée, Jared Diamonds Kollapsforschung, Arno Peters' Synchronoptik — alle zeigen dass Epochen Konstrukte sind, keine Naturgesetze. Am Omegapunkt verliert das Epochen-Dogma seine letzte Überzeugungskraft: Wenn keine Erzählung mehr allgemein verbindlich ist, gibt es auch keine verbindlichen Epochen mehr. Was bleibt ist das was Lausen und du am Telefon formuliert haben: Zitate aus fast jeder Epoche, gleichzeitig wirksam.