Stoffsammlung: Das islamische Grunddogma (Schahada) ist in seiner Kompaktheit einzigartig: zwei Aussagen, eine über Gott, eine über den Propheten. Das Letzter-Prophet-Dogma hat konkrete rechtliche Konsequenzen — Ahmadiyya werden in Pakistan als Nicht-Muslime verfolgt. Die Scharia als göttliches Recht — aber welche Scharia? Es gibt vier sunnitische Rechtsschulen und die schiitische Tradition, die sich erheblich unterscheiden.
Argumentationsführung: Das Dogma der Finalität des Propheten ist das Schließungsdogma des Islam — es verhindert strukturell Weiterentwicklung. Die Kritik zeigt: Jede Auslegung des Korans und der Hadith ist menschlich, historisch, kontextgebunden. Islamische Reformdenker (Rahman, Soroush, Al-Azm) zeigen seit Jahrzehnten: Das Göttliche ist die Botschaft, nicht ihre historische Verpackung. Am Omegapunkt wird das Dogma zur Falle: In Gesellschaften ohne funktionierende Staatsordnung füllt die Scharia das Vakuum — nicht weil sie göttlich ist, sondern weil sie lokal, verständlich und verbindlich ist. Das ist das Scharia-Phänomen als Omegapunkt-Reaktion — bereits im Verfassungskapitel angesprochen, hier vertieft.